„Etwas für die Klimakanzlerin“. Interview zu Schlüsselbegriffen der Klimadebatte

Interview mit Sybille Bauriedl zur Klimadebatte im Kontext des Klimagipfels auf Bayern 2 Radio in der Sendung vom 27.11.2015 „Sozusagen! Bemerkungen zur deutschen Sprache“ (9min)

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Vokabular einer systemkonservierenden Klimapolitik

Sybille Bauriedl

Das Klimawandel-Problem wurde sehr schnell in eine Chance umgedeutet. Der Klimaschutz soll die Wirtschaft sowohl in den Industrieländern als auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern ankurbeln und dem globalen Finanzmarkt Investitionsfelder bieten. Die Chancen sollen über die marktbasierte Instrumente des Kyoto-Protokolls wie Clean Development Mechnism (CDM) stimuliert werden. Die Leidtragenden bei der Anwendung dieser Instrumente werden als Opfer des Klimawandels subsumiert. Beim Gipfel in Paris stehen keine grundsätzlichen Alternativen zu diesen Marktinstrumenten zur Diskussion, obwohl sie bisher weder zu einer gerechten noch zu einer insgesamt emissionsreduzierten Entwicklung geführt haben.

Weiterlesen auf dem Blog Klimadiplomatie, Eintrag vom 30.11.2015.

Interview zu „Wörterbuch Klimadebatte“

Vokabular des Stillstands

ROBIN WOOD: Klimawandel und Klimapolitik, es gibt wenige Themen über die bereits so viel geschrieben wurde. Nun ein weiteres Buch und zwar ein lexikalisches: Warum ist es Zeit für das „Wörterbuch Klimadebatte“?

Sybille Bauriedl: Beim anstehenden Klimagipfel in Paris soll die Zukunft der Klimapolitik neu verhandelt werden. Seit bald 25 Jahren – seit dem UN-Gipfel in Rio de Janeiro im Jahr 1992 – läuft die Klimadebatte auf Hochtouren, nicht nur im unbeobachteten wissenschaftlichen oder politischen Kontext, sondern als öffentliche Debatte. Seit deren Beginn gibt es einen großen Alarmismus, der von der Klimaforschung immer wieder mit neuen Ergebnissen befeuert wird: „Wir müssen sofort handeln“, „Es ist 5 vor 12“. Eine Besonderheit der Klimapolitik ist, dass sie zwar von den Regierenden der UN-Staaten als zentrales Thema ihrer Politik verstanden wird. Dennoch hat sie bislang nicht den gewünschten Effekt gebracht, die globalen Emissionen zu verringern. Für viele Experten ist die internationale Klimapolitik gescheitert. Die Perspektive des Wörterbuchs Klimadebatte ist es, die zentralen Begriffe, die in dieser Politik eine Rolle spielen, zu betrachten und zu reflektieren.

Weiterlesen: Robin Wood Magazin 125, November 2015

Wachstum und Wohlstand

Ulrich Brand

Das enge Band zwischen Wirtschaftswachstum und Wohlstand ist in den frühindustrialisierten Ländern gerissen. Kapitalistisch betriebenes Wirtschaftswachstum führt zunehmend zu Problemen wie Klimawandel und Umweltzerstörung, wachsender Ungleichheit und potenziell zu Instabilität. Und es erschwert die Entwicklung gesellschaftlicher Alternativen. Ein anderes Verständnis von Wohlstand ist daher notwendig.

Weiterlesen (als pdf) Brand_Wörterbuch Klimadebatte_Wachstum

Klimaanpassung

Achim Brunnengräber und Kristina Dietz

Anpassung zählt in der Klimadebatte zu jenen Schlüsselbegriffen, dessen politische und gesellschaftliche (Be-)Deutung bis heute umstritten ist. Die offizielle klimapolitische Begriffsverwendung impliziert die Annahme, dass Gesellschaften objektiven klimatischen Zwängen gegenüber stünden, denen sie sich anpassen müssen. Soziales Handeln folgt demnach klimatischem Wandel. Das Soziale wird damit naturalisiert und nichtklimatische gesellschaftliche und politische Prozesse und lokale Anpassungspraktiken unsichtbar gemacht. Die Folge ist eine Entpolitisierung der Klimaanpassung sowie eine Reduzierung politischer Antworten auf technologische Innovationen, Infrastrukturmaßnahmen und Governance-Optimierungen.

Weiterlesen (als pdf) Dietz Brunnengräber_Wörterbuch Klimadebatte_Klimaanpassung

Entkopplung

Tilman Santarius

Spätestens seit dem Erscheinen des Bestsellers „Die Grenzen des Wachstums“ bewegt eine Frage die Umweltdebatte ganz besonders: Ist es möglich, dass der wirtschaftliche Wohlstand – sprich: das Bruttoinlandsprodukt – weiter wächst und zugleich der Verbrauch an natürlichen Ressourcen und die schädlichen Emissionen auf ökologisch nachhaltige Niveaus absinken? Diese ‚Aufspreizung’ zwischen steigendem (monetärem) Wohlstand und sinkendem (materiellen) Naturverbrauch wird als Entkopplung bezeichnet. Sie bildet eine wichtige Prämisse von Konzepten des ‚Green Growth’ bzw. des ‚qualitativen Wachstums’. Doch bei genauerer Betrachtung wird klar, dass sich die Vorstellung von der Entkopplung als eine Hoffnung oder gar ein Mythos entpuppt, der sich in der Realität nicht erzielen lassen wird.

Weiterlesen (als pdf) Santarius_Wörterbuch Klimadebatte_Entkopplung

Planetarische Grenzen

Christoph Görg

Vierzig Jahre nach der Buchveröffentlichung „Grenzen des Wachstums“ beherrscht ein neuer Diskurs über natürliche Grenzen gesellschaftlicher Entwicklung die öffentliche Debatte. Anders als damals geht es nicht um die Erschöpfung natürlicher Ressourcen, sondern um globale Kipppunkte oder Schwellenwerte, für deren Überschreitung fatale Folgen prognostiziert werden. Doch der neue Diskurs teilt mit dem alten ein zentrales Defizit: den Glauben, die Grenzen würden „da draußen“ in der Natur existieren. Dabei müssen sie letztlich politisch gesetzt werden.

Weiterlesen (als pdf) Görg_Wörterbuch Klimadebatte_Planetarische Grenzen

Einleitung Wörterbuch Klimadebatte

Sybille Bauriedl

Klimaschutz ist notwendig, um die Weltbevölkerung vor zunehmenden Problemen des Klimawandels zu bewahren. Dieser globale Konsens hat zu umfangreichen internationalen Vereinbarungen und Aktivitäten geführt, aber bisher nicht die globale Erwärmung gebremst. Diese Dynamik lässt sich erklären, wenn der Klimawandel nicht nur als naturwissenschaftlich relevantes Phänomen betrachtet wird. Soziale und ökonomische Dynamiken haben großen Einfluss auf den Klimawandel und auf mögliche Lösungswege. Seitdem der Klimawandel ein politisches und gesellschaftliches Thema geworden ist, dient er auch zur Legitimation eines neoliberalen, globalisierten Wirtschaftsmodells. Die Überzeugungskraft dieses Modells lebt von einer Zukunftsvision, die als Tatsache erscheint: Anhaltendes Wirtschaftswachstum sei mit immer geringerem Umweltverbrauch möglich. Verbunden wird dieses Wachstumsideal mit dem Versprechen, dass mit einem Klimaschutz, der marktwirtschaftlichen Gesetzen folgt, nicht nur der Klimawandel, sondern auch anderedrängende globale Probleme gelöst werden können.

Weiterlesen (pdf des vollen Beitrags).Bauriedl_Wörterbuch Klimadebatte_Einleitung

Wörterbuch Klimadebatte

Im November 2015 ist das Wörterbuch Klimadebatte erschienen, das über 40 Schlüsselbegriffe kritisch reflektiert, die die Ausrichtung der aktuellen Klimapolitik und Klimaforschung bestimmen.

Der transcript-Verlag stellt eine umfangreiche Leseprobe als kostenlosen download zur Verfügung, die die Einleitung zum Wörterbuch und Beiträge zu Planetarischen Grenzen, Entkopplung, Klimaanpassung und Wachstum enthält.

Die Herausgeberin fasst in einem Interview (12 min) die zentralen Thesen des Buches zusammen.