Globaler Anstieg von Emissionen und Migration

Sybille Bauriedl

Ende März 2018 sind zwei Studien erschienen, die den Trend der sozial-ökologische Transformation quantitativ beschreiben.
Die Internationale Energieagentur liefert in ihrem Statusbericht 2017 die Zahlen zum Anstieg der energiebezogenen CO2-Emissionen. Diese haben absolut um 1,4 % gegenüber 2016 zugenommen und damit (wieder mal) einen historischen Höchststand erreicht. In einigen Industriestaaten hat zwar die Energieproduktion aus Erneuerbaren stark zugenommen (u.a. USA), aber gleichzeitig ist hat auch die Nutzung von Erdgas und Erdöl zugenommen. Von Dekarbonisierung im globalen Maßstab keine Spur. Der Abschwung der Nutzung fossiler Energieträger 2015 und 2016 war offensichtlich konjunkturbedingt.

Gleichzeitig hat die Weltbank ihren Bericht zur Klimamigration publiziert. Auch hier wird quantitativ argumentiert, auf Basis von aktuellen nationalen Bevölkerungsdaten, die in die Zukunft fortgeschrieben werden. Der Bericht prognostiziert in einem Szenario mit ungebremsten Klimawandel für 2050 eine Migration von 140 Millionen Menschen.

Der Weltbankbericht präsentiert geodeterministische Verräumlichungen des Migrationsproblems auf zwei Maßstabsebenen. Erstens identifiziert er drei Großregionen der Klimamigration: Subsahara Afrika, Südasien und Lateinamerika. Zweitens identifiziert er hotspots der Ausgangspunkte von Klimamigration (klimavulnerable Gebiete von denen aus Menschen mit höherer Wahrscheinlichkeit weggehen) und hotspots der Wanderungsziele (Gebiete in denen Menschen sich eine neue Existenz aufbauen). Und diese hotspots finden sich innerhalb nationaler Grenzen. Klimawandel verursacht Binnenmigration und keine internationalen „Migrationsströme“.

Mit einer engagierten Reduktion der Treibhausgasemissionen und einer Entwicklungshilfe, die an Klimaschutz gekoppelt ist, könnte im best case Szenario der Weltbank die Zahl der Klimamigrant*innen auf „nur noch“ 100 Millionen sinken (was wohl beides nicht eintreten wird, siehe IEA-Bericht). Aber die Weltbank relativiert das Problem und verweist auf die Migrationszahlen der Vergangenheit und stellt fest: die Menschheit war immer in Bewegung – aus sozialen, politischen oder ökonomischen Gründen. Klimawandel ist in dieser Lesart nur ein Faktor neben vielen – und die anhaltende Nutzung von fossilen Energieträgern also nicht allein verantwortlich für soziale Tragödien und eine nachhaltig globale Entwicklungsungerechtigkeit.

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